Trick-Siebzehn an Bord (18)


Reservefall - in zwei Minuten einsatzbereit
erprobt auf der THALASSA

Das ist ein Gefühl, das ich niemand wünsche! Cirka 3000 Meilen lagen noch vor uns auf dem Weg von Panama nach den Marquesas Inseln, als ich über dem Cockpit ein sirrendes Geräusch hörte, welches ich zunächst gar nicht einordnen konnte. Ein Blick auf den Großbaum klärte mich auf: Da lag das Großsegel wirr umeinander, das Fall war gebrochen. Und kein Ersatz vorhanden. Unser Ziel, der vom Wind her auch der einzige praktikable "Nothafen", war einige tausend Meilen entfernt.

Als ich in den Mast aufenterte, sah ich die ganze Beschwerung: Das Fall war oben im Topp gebrochen, der Rest im Mast verschwunden. An ein Einfädeln war bei der immer auf offener See vorhandenen Dünung gar nicht zu denken, denn der Mast peitscht bei einem Katamaran viel heftiger umher als bei einer Einrumpfyacht. Ziemlich ratlos stellten wir uns die Frage: Was tun?

Schließlich behalfen wir uns mit der Dirk, was ein Drahtseilakt war. Denn damit wurde der zentnerschwere Baum seines Haltes beraubt. Damals nahm ich mir fest vor, ein "Reservefall" zu installieren. Was nicht so einfach ist, denn bei innenliegenden Fallen sind die beiden Rollen im Topp von der Dirk und vom Großfall ja schon belegt.

Letztlich war das Problem doch recht einfach zu lösen: An einem Fixpunkt im Masttopp befestigte ich einen Block, der allerdings einigermaßen im Weg umgeht, zudem am Großfall schamfilt. Aber mit einem Schlauchbinder (rot wegen der besseren Sichtbarkeit!) war er aus dem Weg gebogen. Und damit man im Ernstfall nicht einmal in den Mast muss, wurde durch den "toten" Block eine Flaggenleine eingeschoren, die auf der Reling zur Seite gebändselt wurde.

Seine Bewährungsprobe hat dieser Trick auch schon bestanden. Als beide Rollen (Dirk und Großfall) ausgeschlagen waren und ausgebaut werden mussten, brauchte ich zur Sicherung des Mannes im Masttopp ja ein weiteres Fall. Innerhalb von Minuten war gegen die Flaggenleine eine richtige Schot eingetauscht und mit einem Ruck der Schlauchbinder, der den Block aufgeräumt hatte, aufgerissen. Nunmehr konnte der Mann im Mast, am Reservefall sicher hängend, in Ruhe den Großfall- und den Dirkblock ausbauen.

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