Trick-Siebzehn an Bord (106)


Preiswerte und einfach herzustellende »Quick Out« Befestigung für kleine Windgeneratoren (2 x 50W) auf dem Bimini.

Es muß doch zu denken geben, dass man im Urlaub auf dem Ankerplatz die Langfahrt-, die Blauwasser- oder die Weltumsegler-yachten so leicht erkennt. Denn mit Ihren Geräteträgern oder den Luft-Propellern am Heck heben sie sich optisch nicht gerade positiv von den Urlaubs- oder Charterseglern ab. Nachdenken! Freiwillig würden diese erfahrenen Segler ihre Yachten sicher nicht so verunzieren, wenn es nicht unbedingt notwendig wäre. Es ist das altbekannte Thema "Leben ohne Steckdose". Aber wie man das Beste aus der Notwendigkeit der alternativen Stromerzeugung macht - optisch, finanziell und funktionell  - zeigen unsere Weltumsegler Britta und Michael auf ihrer eleganten VERA, die auch bei who-is-who im Weltumsegeln vorgestellt wurden.

von Britta und Michael von der Swan VERA, wieder auf Langfahrt


Die komfortable und nachhaltige Stromversorgung an Bord unseres Bootes hatten wir bereits vor 12 Jahren durch den Erwerb und die Montage von 4 x 90W Solarpaneelen auf dem Bimini (hier die Befestigung der Solarpaneele auf der VERA) gelöst. Zumindest bei sonnigem Wetter benötigen wir die Maschine nicht mehr zum Laden der Batteriebank. Durch die raffinierte »Quick Out« Befestigung besteht jederzeit die Möglichkeit, die Solarpaneele unter Deck zu stauen, und das Bimini sturmsicher zusammenzuklappen…

Leider gibt es aber auch Perioden, in denen Wolken und Wind das Wettergeschehen dominieren. An solchen Tagen blickten wir schon mal voller Neid auf benachbarte Ankerlieger, auf denen ein leistungsstarker Windgenerator in rauen Massen Strom erzeugt. Manch ein älterer Windgenerator nervt mit einem unerträglichen Pfeifen (ein Umstand, der uns schon zum Wechseln des Ankerplatzes getrieben hat), aber die gegenwärtige, neue Generation läuft doch erstaunlich leise. Also her damit? Nicht so schnell.

Meist sieht man Windgeneratoren auf dicken, zusätzlich abgestagten Edelstahlmasten, Marke »Monstrum«. Das macht Sinn, wenn elementare Themen wie Körperschallübertragung oder Verletzungsgefahr beachtet werden, und Erwägungen zu Gewicht, Kosten oder Optik eine untergeordnete, oder keine Rolle spielen. Nach einigem hin- und her kam derlei für unser alte, aber elegante »VERA« nicht in Frage. Was also tun?

In dieser Patt Situation lief uns ein gebrauchter Windgenerator über den Weg, ein »Rutland 504« (50W), kaum gelaufen, vergleichsweise klein und leicht, optisch ok. 50W? 2A Ladestrom bei 25kn Wind bei 12V? So gut wie nichts. Oder doch? Sagen wir mal, das Gerät bringt an einem windigen Tag um die 1A Ladestrom im Schnitt. In der Batterie sollten also pro Tag so um die 25Ah ankommen. Das ist immerhin 1/4 unseres Tagesbedarfes, also ein durchaus namhafter Beitrag. Natürlich würde eine 10 mal so starke Anlage 10 mal so viel Strom erzeugen, also, sagen wir 250Ah. Diese sagenhafte Menge an Energie könnten wir allerdings weder speichern, noch sinnvoll verbrauchen. Im Endeffekt würde der Windgenerator meist abgeregelt vor sich hin dümpeln. So gesehen ist der kleine »Rutland 504« ideal für uns. Aber wohin damit?

Langes Nachdenken brachte uns letztlich auf eine einfache Lösung: Im Angelbedarf erwarben wir einen Rutenhalter für schwere Hochseeangeln und schraubten ihn seitlich an den Mittelholm unseres 27mm Biminigestänges. Ein zum »Rutland 504« passendes, kurzes Alurohr als Adapter fand sich im Baumarkt. Dank der vielfältigen Verstellbarkeit des Rutenhalters lässt sich der Windgenerator kinderleicht senkrecht ausrichten. Der elektrische Anschluss war mit wasserdichten MC-3 Steckern rasch hergestellt. Im Prinzip wäre, angesichts der eher geringen Leistung, ein Direktanschluss an die Batteriebank denkbar gewesen. Für uns war es jedoch vergleichsweise einfach, auf den bereits vorhandenen Regler des Schleppgenerator zurückzugreifen.

Das Ergebnis lässt sich sehen und erfüllt unsere Kriterien: Sicher, leicht, kostengünstig und jederzeit, innerhalb weniger Minuten demontierbar. Der Generator liegt hoch genug, um die Verletzungsgefahr zu begrenzen und niedrig genug, um die ebenfalls auf dem Bimini montierten Solarpaneele nicht zu verschatten. Bald schon erwarben wir einen weiteren gebrauchten »Rutland 504«, aus Gründen der Symmetrie, der Redundanz und der zusätzlichen Leistung. 50Ah an einem windigen Tag können wir dann schon gebrauchen. Meist erzeugen die Solarpaneele selbst bei einem bedeckten Tag noch den fehlenden Rest.

Nach zwei Sommern im Mittelmeer und einem Törn von Sardinien über Gibraltar auf die Kanaren lässt sich ein erstes Fazit ziehen. Die Leistung der beiden Generatoren ist nicht weltbewegend, aber durchaus dort, wo wir sie erwartet hatten. An langen, sonnigen Tagen mit viel Wind gibt es jetzt Strom im Überfluss, den man dann z.B. mit Hilfe eines Wassermachers (hier die Erfahrungen auf der VERA mit einem Wassermacher 10 Jahre lang) in viel Frischwasser umwandeln kann. Aber schon eine einzelne hässliche und stürmische Nacht hilft uns zuverlässig zu einem komfortablen Strompolster. Die Windgeneratoren stören nicht. Sie laufen extrem ruhig und ganz ohne störende Vibrationen. Die Hauptmaschine benötigen wir selten, und dann kaum mehr zum Strom erzeugen. Der Diesel in unseren beinahe vollen Tanks ist jetzt bald zwei Jahre alt… evtl. dann auch wieder nicht gut, wegen der Dieselpestgefahr, aber das ist ein an anderes Thema (wahrschau, die Dieselpest kann jeden treffen, meist unerwartet - siehe hier).

Die Montage dicht über dem Bimini ist aerodynamisch bestimmt nicht ideal. Zwar scheint die Überströmung über dem Bimini vor Anker bei glattem Wasser halbwegs sauber zu sein, aber beim Raumwindsegeln im Seegang oder an einem »rolligen« Ankerplatz drehen sich die beiden Generatoren gelegentlich hilflos um sich selbst. Schuld daran sind dann vermutlich kräftige Verwirbelungen der Luftströmung. Eventuell könnten größere Windleitbleche eine Verbesserung bringen. Passende, dünne Plattenware aus Carbon (wegen der benötigten größeren Fläche bei vergleichbarem Gewicht) haben wir bereits an Bord. Bisher begnügen wir uns bei solchen Bedingungen damit, die Generatoren mit kurzen Bändseln festzulaschen. Sehr viel Wind auf See haben wir bisher nicht erlebt. 25 - 30kn bei halben Wind und recht grober See waren so weit das Maximum, brachten aber keinerlei Probleme. Ein heranrückendes, schweres Sturmtief auf See würde uns wohl evtl. bewegen, die beiden kleinen »Rutland‘s« abzunehmen und unter Deck zu stauen. Zeitaufwand hierfür: Geschätzte 10 Minuten.

Herzlichst, Britta und Michael / SY VERA / derzeit wieder auf Langfahrt.

 

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