Das - ganz - besondere Langfahrt-Schiff (4)


Weltumsegel-Ketsch NatHape

 

Vorab die Meinung von Bobby Schenk:

Vor vielen Jahren in den Marquesas-Inseln legte sich eine nagelneue Amel neben uns. Die drei französischen Burschen waren auf dem Weg von der Werft in Frankreich nach Neu-Kaledonien. Und zwar frisch aus der AMEL-Werft, ohne mit den üblichen „Kinderkrankheiten“ konfrontiert worden zu sein, ohne jegliche Reparatur und ohne Zusatzanschaffung.

Das hat uns für Amel schon damals begeistert. Als später der große Naturschützer, Schriftsteller und vor allem frühere Chefredakteur der YACHT, Horst Stern, selbst eine Amel kaufte, stand für unser Segelleben fest: Es muss eine Amel sein!

Wir fuhren nach Frankreich, wo uns der berühmte Inhaber, Henri Amel, selbst durch die Werft führte. Der war auch deshalb immer schon eine Legende unter Fahrtenseglern, weil er jedes Detail seiner Yachten selbst entwickelte und auch in der echten Praxis ausprobierte. So ist er einmal nur deshalb mit einer seiner neuen Yachten in den Pazifik, nach Tahiti gesegelt, um sie auf ihre Langfahrttauglichkeit zu testen. Auf der Grundlage der so gewonnenen Erkenntnisse wurden dann die Maramu und darauf die Super Maramu entwickelt.

Für uns stand also fest: Eine Amel muss es sein! Aber – ehrlich gesagt – die größeren Yachten von dieser Werft waren uns (und sind es erst recht heute) viel zu teuer und so wurde aus dem Traum leider nichts. In Gibraltar lernte ich Hanspeter und seine Frau Nathalie, die Eigner der NatHape, kennen. Aus der damals flüchtigen Bekanntschaft wurde eine Freundschaft mit den beiden und Hanspeter hat auch schon mal hier auf dieser Webseite sehr fachmännisch mitgeschrieben (bobbyschenk.de/n002/ais.html). Und nebenbei: Das Titelbild der heute gerade erschienenen 9. Auflage meines Buches Blauwassersegeln ziert ein Bild von der NatHape auf einem Traumankerplatz in der Südsee.

Jetzt musste ich gestern auf der hochinteressanten und wunderschönen Webseite von Hanspeter und Nathalie lesen, dass die Weltumsegler nunmehr ihre Yacht abgeben.

Es kommt nicht häufig vor, dass ich eine Fahrtenyacht empfehle, aber die NatHape ist so eine – und für viele sicher der Traum von einer Langfahrtyacht, das besondere Schiff also (ich habe sie in ihrem jetzigen Zustand nicht gesehen, aber ich kenne die Eigner seit 20 Jahren!). Der Preis scheint mehr als angemessen zu sein - überflüssig zu betonen, dass ich davon in keiner Weise partizipiere. Der Eigner hat mich auch nicht um diesen Beitrag gebeten.

Aber lassen wir die schweizerischen Eigner, Nathalie und Hanspeter, ihre Weltumsegelyacht selbst beschreiben:

Das Schiff

Die „NatHape“ wurde 1996 von der Werft AMEL für Nathalie und mich (Foto links & rechts) gebaut. Von dem Typ „Super Maramu“ wurden etwas unter 500 Exemplare gefertigt, inklusive der Serie „Super Maramu 2000“. Zwischen den Modellen 2000 und den Vorgängern gibt es keinen Unterschied, sie sind bis auf ein paar Kleinigkeiten absolut baugleich. Die SM ist das ideale Schiff für große Reisen und man trifft an fernen Orten sehr viele Schiffe dieses Typs.

Die „NatHape“ war für Nathalie und mich (Foto rechts) sehr lange Zeit ein überaus schönes Zuhause und wir haben mit ihr alle Ozeane und viele Meere durchquert. Auf unserer 15-jährigen Weltumsegelung besuchten wir mehr als 60 verschiedene Länder und haben diese Zeit sehr genossen. Mit dem Schiff selber hatten wir bis heute keine nennenswerten Probleme.

Die Super Maramu ist bekannt für sehr gute Segeleigenschaften, die hohen Sicherheitsstandardsxx und die tadellose Verarbeitung. Es ist eines der wenigen Schiffe mit wasserdichten Schotts und das Schiff kann, dank der elektrischen Hilfsmittel (Genua, Gross + Winschen) leicht von einer Person gesegelt und manövriert werden. Etmale von über 200 SM sind bei idealem Wetter ohne Probleme erreichbar. Das Schiff ist leicht zu unterhalten und Mechaniker oder Handwerker für Reparaturen hat unser Schiff nicht gesehen, d.h. wenn man nicht zwei linke Hände hat, sind die Kosten für den Unterhalt leicht tragbar (die wenigen Unterhaltsarbeiten, welche wir nicht selbst erledigen sind schnell aufgezählt: Arbeiten an den Segeln und Wechseln des Zahnriemens am Motor). Nathalie und ich (siehe Foto) haben auf unserer Reise kein Schiff gesehen, bei welchem all die Technik so leicht zugänglich ist, wie bei der Super Maramu.

Generell kann gesagt werden, dass auch ein gutes Schiff ab Werft verbessert werden kann. Je mehr man seine Zeit auf dem eigenen Schiff verbringt und es Zuhause ist, entdeckt man vieles, was einem besser gefallen würde, obwohl das Schiff ab Werft sehr umfangreich ausgestattet ist (Bugstrahlruder, Generator, elektrische Bedienung der Segel und Winschen, Waschmaschine, Kühlschränke, etc.).

Bei uns sind dies die wichtigsten Punkte, wovon wir uns heute zum originalen Super Maramu unterscheiden:

1) Die Gangway: Wir sehen es jetzt im Mittelmeer, wo man sehr viel Zeit in einem Hafen verbringt, dass die Gangway für die meisten Schiffe ein Problem ist. Viele Segler benutzen irgend ein Brett, um auf das Schiff zu gelangen. Wir haben darum die originale Gangway sehr schnell durch eine hydraulische von Besenzoni mit Fernbedienung ersetzt: So kann man leicht der Versuchung widerstehen, sie auch bei Abwesenheit "draußen" zu lassen. Sie ist jetzt in der Mitte des Schiffes platziert, um nicht die Treppenstufen im Heck unbrauchbar zu machen.

2)Fenster: Innen war die SM nur mit Oberlichter ausgestattet, was wir für verbesserungswürdig angesehen haben. Wir haben deshalb vor Jahren vier Fenster im Salon eingebaut und das veränderte das Ambiente innerhalb des Schiffes komplett, das Schiff ist sehr „wohnlich“ geworden. Mit den Fenstern durchquerten wir mehrere Ozeane ohne kleinste Probleme.

3)Autopilot: Die „NatHape“ besitzt zwei getrennte und baugleiche Autopiloten von Raymarine. Der Ausfall des Autopiloten auf langen Überquerungen ist eine der gefürchtetsten Katastrophen. Obwohl wir nur einmal den 2. Autopiloten benutzen mussten, gibt einem ein zweiter Autopilot ein sehr gutes Gefühl auf langen Reisen. Er ist wie eine dritte Person an Bord, die allerdings keinen Schlaf braucht und auch nach vielen Stunden am Steuer nicht müde ist oder gar murrt.

4)Elektrische Installation: Wir haben kleine aber praktische Veränderungen an der Elektrik vorgenommen. Zum einen haben wir Schalter, die im Vorschiff montiert waren (u.a. Decksbeleuchtung, Anker-, Nacht- und Dampferlicht) in den Niedergang versetzt, wo sie leicht und schnell erreichbar sind. Des Weiteren haben wir alle Navigationsgeräte mit je einer schaltbaren Sicherung versehen.

5)Energie: Das größte Problem auf Langfahrtyachten, weit entfernt von der Steckdose an Land, ist der Energiehaushalt. Das haben wir so gelöst, wir haben sogar überschüssige Energie, dank einer 420 Watt Solaranlage mit MPPT-Kontroller eingebaut (2 x 90 und 4 x 60 Watt Paneel). Zudem ist ein Windgenerator mit max.16 Amp Leistung vorhanden, so sind wir völlig autark unterwegs, auch auf den entferntesten Ankerplätzen rund um die Welt. Nur so ist man frei! Man will ja nicht mangels Energie den Stress auf sich nehmen, die schönsten Ankerplätze zu verlassen, um irgendwo Diesel oder Wasser bunkern zu müssen. Wer schon mal ein paar hundert Liter Diesel oder Wasser per Beiboot und Kanister mangels einer Tankstelle am Ankerplatz aufs Schiff bringen hat müssen, weiß, wovon ich spreche. Diese zwei Systeme liefern Tag und Nacht genügend Strom, um das Schiff zu betreiben und die Batterien zu laden.

6)Wasser: Was für Energie gilt, hat auch für Wasser seine Gültigkeit. Unser Wassermacher liefert 150 Lt/h und diese Menge reicht auch, um das Schiff nach langer Fahrt am Ankerplatz sogar vom Salz zu reinigen. Der Wassermacher versorgte uns die gesamte Reise mit dem von uns benötigten Bedarf.

Wartung- und Unterhaltsarbeiten: Das Alter eines guten Schiffes ist eigentlich bedeutungslos, da man im Laufe der Zeit vieles auswechselt und auf den neuesten Stand bringt. Sehr praktisch ist das falsche Teak-Deck von Amel. Es sieht gut aus und bringt absolut keine Probleme mit sich. Nur im Laufe der vielen Jahre nutzt es sich ab. Wir haben es mit Gelcoat in der Originalfarbe bearbeitet und das Schiff sieht dadurch wie neu aus. Diese Arbeit hat uns etwa zwei Monate Zeit gekostet, aber es hat sich mehr als gelohnt und das Ergebnis freut uns unheimlich. An dieser Stelle müssen wir erwähnen, dass wir die Arbeiten nicht suchen, aber wenn sie dann einmal da sind, machen wir sie gerne !

Noch ein paar Bemerkungen:

Die letzte Auswasserung und Erneuerung des Unterwasseranstrichs erfolgte im Frühjahr 2020 in Almerimar, Spanien. Wegen unserer guten Erfahrungen in der Vergangenheit verwendeten wir JOTUM SeaQuantum Ultra S, welches sehr langlebig ist. Amel Schiffe sind bekannt dafür, dass sie keine Osmose haben. Das ist auch bei der NatHape der Fall. In all den Jahren unserer Reise hatten wir keine schwere Grundberührung.

Jedes Schiff hat eine mehr oder weniger lange Pendenzenliste von Arbeiten, welche man gerne ausgeführt hätte. Bei uns ist die Liste sehr kurz. Kleine Gelcoat-Arbeiten am Waschbecken im Bad und das Wechseln des Druckmeters beim Wassermacher, obwohl er funktioniert aber etwas angelaufen ist. Kleine kosmetische Malerarbeiten am Mast. Alle wiederkehrenden Unterhaltsarbeiten am Motor und Generator sind durchgeführt.

Bevor ich mich nunmehr den vermutlich für Sie entscheidenden technischen Details zuwende, will ich Sie noch zu einem kleinen Rundgang auf und in der NatHape einladen. Sie können sich im nachfolgendem Foto an Deck informieren, aber auch nach unten gehen, um den Salon, das Vorschiff oder auch die Naßzelle zu inspizieren. Halt, beinahe hätt ich's vergessen: Seit gestern vermisse ich unser Signet (Foto links), das ein Symbol für unsere Weltumsegelung darstellt. Wenn Sie nach unten gehen und jeweils den runden Pfeil auf dem nachfolgenden Bild drücken, um sich so im Salon "umzusehen" (ja, das ist wörtlich gemeint), könnten Sie es vielleicht entdecken. Bobby Schenk hat mir ein kleines Gewinnspiel eingeredet: Er wird dem ersten Finder, der mitteilt, wo sich das Signet befindet, als Preis sein handsigniertes Buch "Segeln lebenslänglich" schenken und zuschicken.






























Technische Details der NatHape


Amel Super Maramu: #158

Jahrgang: 1996

Flagge: Langkawi, Malaysia (kann leicht umgeschrieben werden)

Vorbesitzer: keine

Länge über alles: 15.80 m oder 52 Feet

Wasserline: 13,64 m

Breite: 4.60 m

Tiefgang: 2.05

Höhe: 22 m

Verdrängung: 16 T

Diesel: 650 Lt

Wasser: 1´000 Lt

Wassermacher: Echo-Tec, 150 LT/Std., 2 Standard Membranen

Segelfläche: 119 m2 - 2 komplette Sets (2017, 2014)

2 x Genua, 65 m2

2 x Gross, 35 m2

2 x Mizzen, 19 m2

1 x Mizzen Ballooner, 31 m2

1 x Ballooner für Passat, 70 m2 (2021)

Motor: Volvo TMD22A, 85 PS, Neuer Turbo (2020), Feeding-Pump, Kühlwasserpumpe (2018), ~ 4'600 Std. (April 2021)

Geschwindigkeit unter Maschine beträgt ~ 7.5 bis 8 Kn bei 2‘100 RpM

Getriebe: ZF26M (Hurt 250-3) (revidiert 2018)

Generator:vOnan 6.5 KW, Revidiert 04.2017, 4'624 Std. (April 2021)

Ersatzteile: Wir haben ein umfangreiches Ersatzteillager für Motor, Generator, Pumpen, Inverter, Baterielader und alles Kleinmaterial, welches man benötigt, um eine Reparatur durchzuführen.

Autopiloten: 2 x Raymarine S3G AST Smart Pilot

Es sind zwei baugleiche Autopiloten installiert, welche umgeschaltet werden können. Der eine steuert das Ruder (Linearantrieb) und der andere die Steuerung (Rotary).

Navigation: Notebook

AIS: Raymarine AIS 500

GPS: 2 x Garmin GPS 152H

Karten: CM93, Navionics, GoogleEarth, zahlreiche Rasterkarten rund um die Welt.

Radardaten: vom Lowrance G3 werden auf dem Computer, in OpenCPN, angezeigt. Overlay mit allen Seekarten möglich.

Die Daten vom AIS werden ebenfalls auf dem Computer und auf allen Karten als Overlay angezeigt.

Wind, Echolot:

Raymarine ST60

+ 1 x Forward Sonar Echolot (2020) (Vorausschauendes Echolot)

+ 1 x Clipper Echolot (2020)

Radar: Lowrance 3G (2017)

Kommunikation: 1 x VHS Raymarine, 2 x VHS Standard Horizon HX280S (Handheld)

1 x Iridium GO

Batterien: Service 8 x 100 Amp. GEL (2020) + 1 x Starter 70 Amp. (2017)

Batterieladegerät: Mastervolt 60/24 (2018), 60 Amp (2018), Dolphin 80 Amp. (Ersatz)

Alternator: 12 Volt + 24 Volt 50 Amp.

Solarzellen: Total 420 Watt, 24 Volt, MPPT Controller, Solarzellen: 2 x 90 Watt + 4 x 60 Watt

Windgenerator: Air X, 24 Volt, neue Lager: August 2020

Diesel Vorfilter: Racor 20 Micron

Wechselrichter (Inverter): 1 x 1'500 Watt (in Reserve 1 x 2''000 Watt)

Gas: 2 x 10 Lt.

Bugstrahlruder: 15 PS, Elektrisch (Amel-Standard)

Anker: 1 x 30 kg Spade, Edelstahl

Kette 90 m Eisen, DIN, 10 mm

Zusätzliche Anker: 1 x Danfort, Aluminium, 1 x Britany, Eisen 25 kg

AMEL Ankerwaschanlage.

Ankerwinde: Lofrans Tigres, 1‘200 Watt.

Heizung: 3 x 240 V elektrische Keramikheizungen

Feuerlöscher: Motorraum 1 x Halon, 2 x CO2, Diverse Handlöscher

Waschmaschine: Keenwood Swiss 850

Kühlschränke: 1 x Küche, 1 x unter dem Sitz (Salon)

Beleuchtung: Gesamte Beleuchtung LED

Propeller: Autoprop (H6, Nr. AP1811, revidiert 2020), 1 x Fixer Propeller als Reserve

Beiboot: Helios, 2,7 m, Boden Fiberglas

Aussenborder: Yahama 15 PS, 2 Tackt, 2016 + Suzuki 2.5 PS, 4 Tackt, 2020

Gangway: Besenzoni (Aluminium): Hydraulisch inkl. remote Controll

Liegeplatz: Das Schiff liegt zur Zeit in Gaeta, einer kleinen italienischen Stadt zwischen Rom und Neapel. Wir können bei Bedarf das Schiff zum gewünschten Standort überführen. Obwohl die NatHape kinderleicht zu bedienen ist, wird der Käufer von den jetzigen Eignern mindestens einen Tag lang mit der Yacht intensiv vertraut gemacht.

Der Preis des Schiffes inklusive der umfangreichen Ausstattung beträgt € 215‘000.-

Kontaktadresse: Hanspeter & Nathalie Wehrli, Tel.: +33 768909246, Email: mailto:info@NatHape.com, Webseite: www.NatHape.com

Mittelcockpit mit Steuerstand


Salon


Salon

Navigationsecke

Salon

Achternkabine

Vorschiffs-Kabine

Und so segelt die NatHape bei rauhen 25 Kts Wind:

Diese Video-Sequenz mit dem beindruckend stabilen Seeverhalten der Ketsch NatHape wurde wegen des starken Windes nicht mit der Drohne aufgenommen. Die Kamera wurde mittels auf der NatHape ausgebaumtem zweiten Spi-Baums ausgerichtet und per Fernsteuerung bedient.

Diese Video-Sequenz mit dem beindruckend stabilen Seeverhalten der Ketsch NatHape wurde wegen des starken Windes nicht mit der Drohne aufgenommen. Die Kamera wurde mittels auf der NatHape ausgebaumtem zweiten Spi-Baums ausgerichtet und per Fernsteuerung bedient.

Anmerkung: Das Signet hat als erster Stéphane und seine Meute auf der Weltumsegelung entdeckt und damit den ausgelobten Preis gewonnen. Gratuliere!

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