Mein Rückblick auf die BOOT 2010
von Bobby Schenk


Die Krise - niemand redet mehr von ihr!

Die Stimmung war positiv. Das ist das Beste, was man heute von einer Freizeitmesse erwarten kann. Vor allem Zubehörhändler meldeten ein bescheidenes Umsatzplus und das ist ein gutes Zeichen, das gibt den derzeitigen Kaufwillen der Verbraucher besser wieder als Werftangaben, wo ein Schiff mehr oder weniger das Bild vom Markt kaum wiedergeben kann! Einige "Aussteller" hatten im Vorfeld noch kalte Füße bekommen, die Messe zu beschicken. Denen kann man zurufen: "Nur Mut, es wird schon!" Und selbst wenn man die üblichen Beschönigungen, wie "qualifiziertes Publikum", "viel Interesse" oder "ernsthafte Nachfragen", die ja immer die fehlenden Aufträge kaschieren sollen, mal nicht berücksichtigt, eines ist klar: Nächstes Jahr geht es mit dem Bootsmarkt schon wieder ein Treppchen höher.    

Kunststoff-Allerlei

Bei den Yacht-Neubauten das gewohnte Bild vom Kunststoffeinheitsbrei. Offensichtlich akzeptiert das Publikum es, wenn man ihm irgendwelche Typen mit der ihm gewünschten Größe vor die Füße wirft. Warum nicht mal eine Yacht nach Autobauermaßstäben durchkonstruieren und fertig zu stellen: Also Zeichnen, Mockup bauen, auf dem Prüfstand fahren und die Erlkönige über See schicken zum Erproben. Dann erst auf dem Markt präsentieren!

Stattdessen werden Serien mit irgendwelchen Zwischengrößen - 34a, 42i, 445 u.s.w. - aufgefüllt, um dem Interessenten das Gefühl zu bieten: "Für Dich ist jede Größe vorrätig." Ich glaub nicht, dass der durchschnittliche Verbraucher so dumm ist, nicht zu merken, dass solches Prozedere nur Bauqualitäten hervorbringt, die Automarken ganz schnell den Garaus machen würde.

Warum nicht mal ein Yacht, bei der man das Gefühl hat, dass die Werft zu einem fairen Preis dem Käufer hohe Qualität bieten möchte? Beim ersten Hingucken könnte die HABER 800 (aus einer polnischen Werft) so ein Schiff sein. Erstklassige Beschläge, ein pfiffiges Layout mit nützlichen Gags - die Verwandlung des Kajüttisches zur Mittelkoje ist so einer - und individuelle Gestaltung von Eignerwünschen überzeugt - jedenfalls vom flüchtigen Hinsehen und mehr ist bei einer Ausstellung nicht drin. Auch wenn einige glauben, eine Yacht könne man auf dem Trockenen auch nur annähernd gründlich beurteilen.

Schön: Seemannschaft ist gefragt

Dass genügend Messebesucher da waren, für die "Seemannschaft" noch was bedeutet, konnte man am großen Zulauf zum YACHT-Stand sehen. Proppenvoll wars, die Gänge standen voll, wenn Egmont M. Friedl seine Knoten und Spleiße vorführte oder Bobby Schenk (Photo) zum Thema Ankern sprach. Fast alle Besucher nahmen neue Tipps und Tricks mit, wie man generell ohne große Neuanschaffungen das Ankern sicherer machen kann. Schließlich hängt ja häufig ein Vermögen am Schlammhaken. Auch überraschend: Einigen Besuchern waren die Anker, welche als Standard bei den Weltumseglern angesehen werden, schlicht unbekannt. Kann es sein, dass es nicht schaden würde, die internationale Fahrtensegler-Szene etwas mehr unter die Lupe zu nehmen? 

Geruch nach Teer und Hanf lässt träumen

Viele der Besucher vom YACHT-Stand hab ich später in der Halle 15 wiedergetroffen. Denn dort hats nach Salz, Mahagoni und Teer gerochen. Erinnerungen wurden wach, als plötzlich eine vergammelte Suncost 48 mit dicht bewachsenem Unterwasserschiff vor mir stand. Schließlich bin ich einmal zusammen mit meiner Skipperin Carla exakt mit dem gleichen Typ (THALASSA II) auf der offenen Strecke in 55 Tagen von Tahiti ums Kap Hoorn nach Mar del Plata in Argentinien gesegelt. Und von dort gings nonstop (ehrlich!) in 10 Wochen nach Marbella ins Mittelmeer. Ein Idealist will mit dem Refit-Programm an dieser Stahlyacht beweisen, dass man die Stahlyacht wieder so hinkriegt, als ob sie bestens gepflegt worden wäre. Es ist ihm zu wünschen, möglich sollte es sein, aber unübersehbar hat der Rost vor allem in den Winkeln (zum Beispiel der Scheuerleiste) gründliche Arbeit verrichtet. Und vor der Elektrik graust es einem, wenn die Drähte aus den Löchern der Verkleidung hängen. Wenn man daraus auf die Werft schließen sollte (die es nicht mehr gibt), dann tut man den Friesen von damals unrecht. Denn nach meinen Erfahrungen haben die zwar keinen Luxus abgeliefert, doch gute Handwerksarbeit.

Weltumsegler Burghard Pieske päsentierte sich wieder einmal gekonnt als Oberwikinger, diesmal ohne Met-Ausschank, jedenfalls hat er mir keinen angeboten. Burghard schwimmt zur Zeit auf der Wikingerwelle, ausgelöst vom Film „Wickie und die starken Männer“ von Bully Herbig. Für diesen Film war er als Berater und Experte engagiert, sodass man davon ausgehen kann, dass Bully Herbig sachkundig über das Wikinger-(Un-)Wesen aufgeklärt worden war und der Film stimmig ist. Werds nachprüfen und mir den Film anschauen.

Dass sich der Markt ständig verändert, zeigt die Anwesenheit der YACHT auf der BOOT. Wie, das ist ja selbstverständlich? Nein, gemeint ist nicht die(!) YACHT aus Hamburg, sondern die russische YACHT aus Moskau. Sie war mit einem eigenen (kleinen) Stand vertreten. Und das wird schon einen Grund haben. Mir boten sie eine besondere Überraschung, als mir zwei charmante Russinnen eine Nummer dieser YACHT unter die Nase hielten und ich kein einziges Wort von einem Artikel lesen konnte, der, das Foto wies es aus, offensichtlich von mir geschrieben worden war, natürlich nicht in kyrillischer Schrift.

 

Noch eine schöne persönliche Überraschung erlebte ich, als bei meinem Rundgang über die BOOT die "Konkurrenz" auftauchte, nämlich der Projektleiter der Hanseboot, Martin Muth (Foto links), und mir einen neuen Vertrag über das "Bobby Schenk's Blauwasserseminar" andiente und zwar gleich für die nächsten fünf Jahre. So wird also voraussichtlich jedes Jahr, so  noch im Jahre 2014, ein weiteres Blauwasserseminar während der Hanseboot stattfinden. Heutzutage ein Fünf-Jahres-Vertrag? Mein Lieber, soviel Vertrauen ehrt, verpflichtet aber auch! Nebenbei, das nächste Seminar findet auf der Hanseboot am 30.10 und 31.10.2010 während der Hanseboot statt. Frühzeitige Anmeldung empfohlen. Gebühr: 100 Euro, für eine Begleitung 70 Euro.

Wie immer: Nichts für eindimensionale Segler!  

Wer sich nur und ausschließlich fürs Segeln interessiert braucht jetzt nicht weiterlesen. Es gibt nämlich noch was anderes als Segeln:

Seit fast zwei Jahrzehnten findet während der großen Bootsmessen ein Kartrennen um den Goldenen Delius Klasing Messecup statt. Wer nun glaubt, das sei kein Sport, möge es selbst mal auf einer der zahlreichen Kartbahnen ausprobieren. Über 20 Minuten wird er beim ersten Mal nicht hinauskommen und am nächsten Tag wird er einen Muskelkater haben, an den er sich lange erinnert. Mir ist es vor ein paar Jahren bei den ersten Malen nicht anders ergangen, ja, ich will es nicht verschweigen, der Helm war nach dem Rennen innen ziemlich versaut und ich Letzter. So etwas verträgt man nicht so gut und deshalb hab ich das abgestellt. Kurzum, die letzten vier von fünf Pokalrennen sahen einen Weltumsegler als Sieger, bis er beim Rennen in Hamburg vom früheren Pokalsieger Georg Christ (DK-Soft) aufs normale Maß zurückgestutzt wurde. "Rache" hieß der Film von Jochen Kunzemann (DK-Events) zum Rennen. 

Sieger sind nicht unbedingt beliebt bei der Konkurrenz. Und deshalb gab es schon im Vorfeld unter den Teilnehmern unüberhörbares Murren wegen der extensiven Vorbereitung aufs große Rennen anlässlich der BOOT. Sogar ein aktiver Formel1-Fahrer, nämlich Adrian Sutil (Force India) stellte sich zu Vergleichszwecken als (überirdischer) Maßstab zur Verfügung - siehe Foto. Missmut hin oder her - Segler sind zielstrebig, der Trainingsfleiß zahlte sich aus. Pokalverteidiger Georg Christ fuhr beim heurigen Rennen verhalten im Mittelfeld. Der frühere Dauersieger  Jochen Kunzemann (DK-Events) schien seine Pechsträhne überwunden zu haben, zeigte sich enorm verbessert und fand sich endlich wieder auf dem Stockerl als Dritter wieder. Zweiter wurde der immer schnelle Lars Neuwöhner (ebenso DK-Soft).

Wie sich aber beim anschließenden, schon traditionellen Besuch beim Mac Donald herausstellte, waren alle, Fahrer und Boxenluder, irgendwie Gewinner, so fröhlich waren sie. 

 

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