Kommentar: Wird demnächst das GPS abgeschaltet?

von Bobby Schenk


Eines vorweg: Es ist nicht sehr wahrscheinlich, aber durchaus möglich. Waren bisher Überlegungen in diese Richtung mehr rein theoretischer Art, bekommen sie wegen der weltpolitischen Situation im Frühjahr 2003 einen sehr konkreten Hintergrund.

Zu Erinnerung: Das Global Position System (GPS) wurde von den amerikanischen Militärs mit großem Aufwand installiert - immerhin hat man dazu an die 30 Satelliten hochschießen müssen. Von Anfang an haben die amerikanischen Militärs, die Betreiber des Systems, aber klar erklärt, sie würden sich das Recht vorbehalten, das System jederzeit abschalten zu können. Mehr noch, die Amerikaner sind durchaus in der Lage - immer technisch gesehen - das System auch lokal beschränkt außer Funktion zu setzen oder, noch unangenehmer, in seiner Genauigkeit zu verfälschen.

Die Folgen wären in vielerlei Hinsicht fatal. Dass Bergsteiger (der Hauptumsatz an GPS-Geräten findet nicht in der Segler-, sondern in der Wanderer- und Bergsteigerszene statt!) sich verirren könnten, weil sie im Nebel die von ihnen gesetzten Wegpunkte nicht mehr finden, wäre im Einzelfall zwar tragisch, jedoch mehr eine Kuriosität. Aber: Nicht nur, dass wir Segler keine Anzeige auf unseren GPS-Empfängern vorfinden würden. z.B. "no SV" (=no space vehicle), auch die Autofahrer würden plötzlich ohne weibliche Computerstimme aus ihren nunmehr nutzlosen Navigationssystemen dastehen. Dass damit vor allem die Fahrer der teuren Luxusklassen betroffen sind, jene also, denen es ein paar tausend Euro wert war, sich vokal zur gewünschten Hausnummer durchsagen zu lassen, macht den zu erwartenden Ärger erst gewichtig. Mehr nicht, denn der S-Klassenfahrer wird halt wieder seinen vergammelten Stadtplan aus dem Handschuhfach holen, um zum Ziel zu gelangen!

Flugzeuge würden ohne GPS-Wegpunkte wieder größere Umwege von Funkfeuer zu Funkfeuer fliegen müssen, etwas, was im Luftverkehr richtig Geld kostet und, was erwartungsgemäß wieder einmal den "überfüllten Luftraum" (eine Erfindung dienstunwilliger Fluglotsen) ins Gespräch bringt, jedenfalls zu zahlreichen Verspätungen führen wird. Die Sicherheit des professionellen Luftverkehrs allerdings wird nicht beeinträchtigt werden, weil jedes Flugzeug  selbstverständlich über entsprechende Reservesysteme (Backup-Systeme) verfügt.

Wen es allerdings richtig happig treffen würde, sind die zahlreichen Sportbootfahrer, die sich in den letzten Jahren um die Navigation nicht mehr gekümmert haben, weil sie ja "mindestens zwei" GPS-Geräte an Bord hatten. Selbst die teuren und schönen GPS-Empfänger mit eingebauten Kartenplotter sind dann völlig nutzlos. Jeder Segler möge den Ernstfall einmal durchdenken. Ob er nämlich dann noch in der Lage ist, mit Peilkompass und Karte einen sicheren Standort zu bestimmen oder auf hoher See gar mit dem Sextanten zu arbeiten. Wahrscheinlich werden 90 Prozent aller Fahrten-Segler ziemlich ratlos dastehen - und das ist vorsichtig geschätzt.

Genau, um dieses Horror-Szenario zu vermeiden, gibt es seit vielen Jahren das europäische GPS-System mit dem schönen Namen "Galileo". Auf dem Papier!

Nach letzten Umfragen bei den europäischen Partnern sollen die dazu notwendigen Satelliten noch in diesem Jahrzehnt im Orbit sein. Man sollte gerechterweise gar keine genaue Jahreszahl nennen, denn es hat schon so viele Verschiebungen gegeben, dass eine Festlegung mehr ein Wunsch als ein Faktum ist. Meine Prophezeiung: Es ist ziemlich sinnlos, auf Galileo zu warten. Denn wie der letzte missglückte Ariane-Start gezeigt hat, ist es nicht nur eine Frage des Geldes, die notwendigen Satelliten raufzuschießen. Und Geld kostet das System: Grob gesagt: Mehrere Milliarden Euro. Wer soll das bezahlen? Und so wie ich denken sicher die meisten Steuerzahler: "Ich nicht!"

Es gibt nun mehrere Gründe, warum das amerikanische GPS ausgerechnet in naher Zukunft nicht mehr wunschgemäß funktionieren könnte. Unwahrscheinlich, aber eben nicht ausgeschlossen, ist der bevorstehende Irak-Krieg.

Entgegen vielen anderen Berichten wurde das GPS-System im vergangenen Golfkrieg gegen den Irak nicht(!) abgeschaltet und lief jedenfalls in "unseren" Gegenden über die gesamte Zeit der amerikanischen Aggression einwandfrei mit der damals üblichen verringerten Genauigkeit. Nachdem es keine irakische Luftwaffe mehr gibt, die Bewohner von Bagdad wohl hauptsächlich damit beschäftigt wären, ihre Kinder vor den Bomben der größten Friedensmacht der Erde, der USA, zu beschützen, lässt es sich kaum vorstellen, dass dieses Mal das GPS abgeschaltet würde. Aber wer kennt schon alle höheren militärischen Weisheiten?

Viel wahrscheinlicher ist eigentlich eine Alternative, die noch vor ein paar Wochen als absurd angesehen hätte werden müssen: Die Amerikaner könnten ihr GPS-System auch dazu benutzen, um nicht willfährige politische Partner zu disziplinieren. Seitdem Deutschland und Frankreich nicht mehr mit den USA an einem (Kriegs-)Strang ziehen, wird dort laut nachgedacht, mit welchen Maßnahmen hier abgestraft werden könnte. Zu den meisten angedachten Maßnahmen wird es wohl nicht kommen, weil jeder Eingriff in den Geschäfts- und Kapitalverkehr auch Nachteile für die willfährigen Partner und auch für den amerikanischen Steuerzahler mit sich bringen könnte. Aber ein Navigationssystem für europäische Gebiete etwas zu manipulieren, könnte doch den Europäern sehr plastisch die Abhängigkeit von ihren amerikanischen Freunden demonstrieren! Absurd? Denken "die" Amerikaner so kleinlich?

Nur zwei beobachtete Beispiele: Man möge gerade jetzt in Amerika Fernseh- oder Computerzubehör bestellen! Man wird die unverblümte Auskunft bekommen, dass man "derzeit" nach Deutschland nicht mehr liefere. Seit wenigen Tagen werden vor allem französische Flugpassagiere während des Fluges Paris-Tahiti bei einem Zwischenaufenthalt in Los Angeles dergestalt bestraft, dass man sie zwingt, das bereits in Paris peinlichst durchgeleuchtete Gepäck während des "Transit-Aufenthalts"(!) in Los Angeles durch den Zoll in die USA zu schleppen, um gleich danach es wieder einzuchecken mit all den heute unvermeidlichen zeitraubenden Sicherheitschecks, was bei 500 Passagieren zu vier Stunden Verspätung führt. Dass bei diesem Air-France-Flug die Maschine in Los Angeles kein Wasser erhielt, sodass weder Kaffe noch Tee auf dem siebenstündigen Weiterflug serviert werden, mag vielleicht nur technische Gründe gehabt haben.

Eine weitere Gefahr für das GPS-System ist merkwürdigerweise in der Zeit des weltweiten Terrorismus kaum diskutiert worden. Das GPS-System mit seinen schwachen Feldstärken kann mit einfachen elektronischen Mitteln jedenfalls örtlich begrenzt so gestört werden, dass es nicht mehr funktioniert. Ob die durchs Internet geisternde Geschichte mit dem russischen "Funkamateur" der das GPS mit einem Störsignal außer Funktion gesetzt hat, stimmt, ist umstritten. Tatsache aber ist, dass das GPS-System gegenüber Störsendern völlig schutzlos ist. Und solche Sender sind viel einfacher zu basteln als Bomben.

Zugegeben: Alles nur Spekulation! Aber mit so konkretem Hintergrund, dass man mit solchen Möglichkeiten rechnen und als Segler Konsequenzen ziehen muss. Und die können nur darin bestehen, dass man eben auch ohne GPS seinen Weg in den Hafen findet.

Hand aufs Herz, wie viele von uns können das noch?

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